Zum Unterricht

Ich spiele seit meinem siebten Lebensjahr Klavier. Das Instrument begleitet mich durchs Leben und ich möchte es nicht missen. Dabei waren die Methoden, nach denen ich selbst unterrichtet wurde, fast ausnahmslos konventioneller Art: Damit sei ein Unterricht, nicht orientiert an den Interessen des Schülers, sondern das streng vorgegebene Erlernen von Fingerübungen, Spielen bestimmter Klavierschulen und absolvieren von Vorspielprüfungen und Konzerten an der betreffenden Musikschule, gemeint.
Mein Interesse am Spiel war von Beginn an so intensiv, dass ich mich durch diese Erlebnisse nicht entmutigen ließ. Ich entwickelte während meines Studiums mein eigenes Unterrichtskonzept und erlebte, wie gern die Kinder zu mir kamen. Allerdings begegneten mir in all den Jahren auch immer wieder Schüler, deren Bedürfnisse mein pädagogisches Denken verunsicherten und dazu führten, dass ich meinen eigenen Ansatz wiederholt hinterfragte. So befand ich mich lange auf der Suche.
Antworten auf meine Fragen eröffnete mir erst die Pädagogik von Maria Montessori, die ich zunächst in verschiedenen Kursen kennenlernte. Nach dem Diplomlehrgang bei der Montessori-Vereinigung Wien war ich mir schließlich sicher, auf welchem Weg ich meine Schüler fortan begleiten wollte. Das Schöne war: Ich musste mich nicht einmal umstellen! Ich wusste jetzt einfach, dass mein Tun richtig war und konnte mein pädagogisches Wissen weiter vertiefen.
In meinem Klavierunterricht lernt der Schüler sich selbst kennen: seine Interessen und Stärken, die Freude am Spiel und an der Musik. Mein Unterricht geht damit vom Schüler aus. Ich selbst verstehe mich als Begleiter. Als solcher bin ich dem Schüler lediglich dabei behilflich, seinen eigenen Weg zu gehen. Dabei unterrichte ich nicht nur am Instrument. Vor allem bei Kindern ist Bewegung sehr wichtig. Daher wird auch getanzt oder der Rhythmus auf andere Weise mit dem Körper erfahren, wir malen und schreiben und arbeiten mit verschiedensten Lernmaterialien. Nachdem ich mich seit über zehn Jahren selbst mit der Feldenkraismethode beschäftige, ist mir auch die Körperhaltung am Instrument und ein gesunder Bewegungsablauf wichtig. Bei all dem gehe ich gerne auf Vorschläge und Ideen des Schülers ein und freue mich darüber, auch selbst immer wieder Neues zu entdecken.
In meiner Diplomarbeit habe ich mich mit der musikalischen Entwicklungspsychologie von Kinder im Alter von 6–10 Jahren und deren Auswirkung auf den Instrumentalunterricht beschäftigt. Ein Auszug aus dieser Arbeit wurde in der Zeitschrift "Musikinform" veröffentlicht.
Ich habe bewusst einen Punkt zum Thema Pädagogik gewählt. Zwar möchte ich hier keine Zusammenfassung Maria Montessoris Pädagogik darlegen, es würde den Rahmen sprengen,jedoch möchte ich dennoch erwähnen, was mir sehr wichtig ist.
Jeder Mensch trägt alles, was er für das Leben hier benötigt bereits in sich. Er verfügt über einen inneren Bauplan und vorbestimmte Richtlinien für seine Entwicklung. Das alles ist aber zunächst äußerst zaghaft und empfindlich vorhanden. Erst durch das Lernen, Erfahren und positive Verstärken bildet es sich heran. Durch übertriebe Vorstellungen von aussen, oder gar Macht, kann dieser innere Bauplan zerstört werden. Dies ist ein wesentlicher Punkt in der Pädagogik Montessoris. Er gilt nicht nur für Kinder, sondern für jeden Menschen. Respekt, Toleranz und vor allem Liebe gegenüber jedem Menschen lassen den Sinn, die Leichtigkeit und vor allem Freude in unserem Tun und Sein wachsen.
Mir ist wichtig, egal welchen Alters, das Wesen und den Willen, das Interesse des Menschen zu erkennen und zu respektieren. Die non-direktive Haltung des Erwachsenen impliziert ein Sich-Zurückhalten. Der Mensch trifft seine Entscheidungen selbst. Mir ist die Freude am Spiel das Allerwichtigste. Die Ziele, welche erreicht werden sollen, bestimmt der Interessent. Ich gebe bei Bedarf Vorschläge, bereite die Umgebung vor und stelle dar, was es alles gibt. Jedoch liegt das aktive Tun und Lernen beim Schüler.